Am Ende der Dampier-Halbinsel etwa 200 km nördlich von Broome (Rubibi) sonnen sich Libellen auf dem im Wind wogenden Bartgras. Die kleinen goldenen Kügelchen der Akazienblüten ziehen Vögel und Insekten an und die Felsenaustern unten am Meer sind cremig und reichhaltig.


Vorgestellt von Carolyn Beasley


Es ist Barrgana, Trockenzeit im Land der Bardi Jawi. Hier grenzen die roten Pindan-Böden direkt an leere weiße Strände oder grüne, Schutz bietende Mangroven. Die indigenen Kulturen sind hier seit tausenden von Jahren lebendig und bedeutend. Und das Leben im Einklang mit der Natur ist hier nicht nur eine Phrase.


Reiseführer Barlo Angus vom Southern Cross Cultural Walk in Lullumb

Tourführer Bolo Angus von Southern Cross Cultural Walk Lullumb


Bolo Angus ist vom Stamm der Bardi-Jawi und Eigentümer des Touranbieters Southern Cross Cultural Walk Lullumb.

„Dies ist die Zeit des Überflusses und der Vielfalt“, sagt er.

In dieser Jahreszeit werden auch die meisten Touren im Land der Bardi-Jawi angeboten. Bolo führt Besucher zum familieneigenen Grundstück an der Küste, erzählt Geschichten seiner Vorfahren, zeigt Überlebenstechniken im Busch und Zubereitungsmöglichkeiten von Buschnahrung („Bush Tucker“). Am Ende der Tour gibt es für alle ein frisch zubereitetes Mahl aus lokalen Köstlichkeiten.

Bolo zeigt seinen Besuchern die Pfade, die er bereits mit seinen Großeltern entlang ging. Abhängig von den Gezeiten bietet er seinen Gästen Speerfischen oder Mangrovenkrabbenfangen an. Bolo erklärt, dass die Weibchen der Mangrovenkrabben zum Eierlegen an Land kommen. Um einen nachhaltigen Bestand zu sichern, fangen die Bardi-Jawi die Weibchen erst, nachdem sie sich fortgepflanzt haben.



Kochen – Southern Cross Cultural Walk in Lullumb

Zubereitung der Mahlzeit, Southern Cross Cultural Walk Lullumb


„Wenn die Samenkapseln der Akazien schwarz werden und die Samen fallen, wissen wir, dass die Weibchen ihre Eier für das Jahr abgelegt haben und wieder ins Meer zurückgekehrt sind. Erst dann fangen wir auch weibliche Mangrovenkrabben.“

Traditionell ist Barrgana die Zeit der Dugong-Jagd.

„Früher trugen die Menschen hier nur den traditionellen Haargürtel mit einer Perlenschale vorne“, erzählt er. „In der Barrgana-Zeit haben sie nachts ganz schön gefroren.“

In der Trockenzeit Barrgana kamen Buckelwale auf der Wanderung vorbei. Ihre Ankunft bedeutete, dass die Dugong-Jagd eröffnet war.

„Dann wurden Dugong gefangen und die Fettreserven aufgefüllt, um sich während der Barrgana-Zeit warmzuhalten.“


Reiseleiterin Rosanna Angus von Oolin Sunday Island Cultural Tours

Tourführerin Rosanna Angus von Oolin Sunday Island Cultural Tours


Das Land der Bardi befindet sich auf dem Festland. Rosanna Angus vom Stamm der Jawi erzählt, dass ihre Vorfahren von den vorgelagerten Inseln stammen. Rosanna gehört der Touranbieter Oolin Sunday Island Cultural Tours. Sie zeigt Besuchern die frühere Mission auf Sunday Island (Ewuny), die 1962 geschlossen wurde.

Die Fahrten finden auf Aluminiumbooten statt, aber Rosanna folgt auf ihren Touren den Spuren ihrer Vorfahren, die sich auf traditionellen Flößen geschickt durch die turbulenten Wirbelströmungen der Middle Passage und einigen der weltweit größten Tidenhuben bewegten.



Menschen auf einem Boot mit Oolin Sunday Island Cultural Tours

Oolin Sunday Island Cultural Tours


Rosanna erzählt, dass mit der Baumblüte während der Barrgana auch die Bienen kommen.

„Dann ernten wir den Buschhonig, weil es in dieser Zeit mehr Nektar gibt“, sagt sie.

Rosanna erzählt, dass die Barrgana in ihrer Kindheit die beste Zeit auf Sunday Island war. Sie hat früher hier nach Eiern von Watvögeln wie Austernfischern gesucht, eine sehr schmackhafte Leckerei!

Dann erzählt sie von einer weiteren Kindheitserinnerung: Der Campingurlaub in Mudnunn auf dem Land ihres Großvaters war für sie jedes Jahr ein absolutes Highlight.

„In dieser Jahreszeit haben wir immer Campingurlaub gemacht, weil es einfacher war, sich von dem zu ernähren, was Land und Meer zu bieten haben“, erklärt sie. „Fische, Austern und Stachelrochen sind in dieser Zeit besonders gut genährt!“


Führen Sie Terry Hunter von Borrgoron Coast zu Creek Tours

Tourführer Terry Hunter von Borrgoron Coast to Creek Tours


Bardi Terry Hunter ist Tourführer bei Borrgoron Coast to Creek Tours auf der Cygnet Bay Pearl Farm und kann da nur zustimmen. Auch er sagt, dass die Barrgana schon immer zu seinen Lieblingsjahreszeiten gehört.

„Zu Beginn der Barrgana kommen die Libellen. Dann wissen wir, dass giftige Quallen wie Irukandji und Würfelquallen sich in tiefere Gewässer begeben“, so Terry.

Die Blüte der Akazien während der Barrgana bestimmt, wann gefischt werden darf.

„Wir wissen dann, dass es große Schwärme von Stachelmakrelen gibt und dass die Meeräschen langsam eine gute Größe erreichen. Also stellen wir uns um und ernähren uns vorerst nicht mehr von den Fischarten in den Riffen“, erläutert Terry.

Auf Terrys zweistündiger Coast to Creek Tour erfahren die Teilnehmer auf dem Weg durch die Mangroven und entlang der Küste viel Wissenswertes über Buschnahrung, Naturmedizin sowie nachhaltiges Jagen. Ein Highlight der Tour ist, wenn Terry ein kleines Feuer aus Spinifex baut, um die saftigen Felsenaustern, Pipi- und Herzmuscheln direkt auf den Steinen zuzubereiten.



Menschen auf einer Tour mit Terry Hunters Borrgoron Coast to Creek Tours

Borrgoron Coast to Creek Tours


Terry genießt den Wetterumschwung zu Beginn der Barrgana und die kühleren Temperaturen jedes Jahr wieder.

„Ich weiß noch, dass wir als Kinder hier auf der Perlenfarm ewig in Shorts und mit nacktem Oberkörper herumgelaufen sind – und eine Woche später war es so kalt, dass wir uns dick anziehen mussten“, erzählt er. „Die kälteren Jahreszeiten sind für uns wahrscheinlich die besten.“


Veröffentlicht im Mai 2023.